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Das Journal des DAVINCI RechenzentrumsMittwoch, 30. September 2026127 Beiträge · 14 Ressorts

DAVINCI Journal

IT-Betrieb & Support

79.000 offene IT-Stellen – und warum das keine Entwarnung ist

Die Zahl der unbesetzten IT-Stellen hat sich seit 2023 fast halbiert. Trotzdem beobachten 78 Prozent der Unternehmen einen Mangel, und eine Besetzung dauerte zuletzt im Schnitt fast acht Monate. Der Engpass hat sich verschoben, nicht aufgelöst.

Mitarbeiter im IT-Support bei der Arbeit
Symbolbild, künstlich erzeugtStand der Angaben: September 2026

In Deutschland fehlen derzeit 79.000 IT-Fachkräfte. Das klingt nach Entspannung, denn 2023 waren es 149.000 und 2025 noch 109.000. Der zweite Blick relativiert: 78 Prozent der Unternehmen beobachten weiterhin einen Mangel, nur 14 Prozent halten das Angebot für ausreichend, und 76 Prozent erwarten eine Verschärfung in den kommenden Jahren.

Die Zahlen stammen aus der Arbeitsmarktstudie des Bitkom, einer repräsentativen Befragung von Unternehmen ab drei Beschäftigten. Von den Unternehmen mit offenen IT-Stellen berichten 97 Prozent von Schwierigkeiten, sie zu besetzen. Ein Teil des Rückgangs dürfte schlicht der schwachen Konjunktur geschuldet sein: Wer Projekte zurückstellt, schreibt weniger Stellen aus. Das ist eher eine Pause als eine Wende, und wer seine Personalplanung darauf baut, baut auf einen Zustand, der sich mit der nächsten Belebung wieder ändern kann.

Acht Monate sind die eigentliche Zahl

Nach der Bitkom-Erhebung des Vorjahres vergehen im Durchschnitt fast acht Monate, bis eine offene IT-Stelle neu besetzt ist. Für ein mittelständisches Unternehmen mit zwei oder drei IT-Kräften ist das die entscheidende Größe: Fällt eine Person aus, ist die Lücke nicht in Wochen zu schließen. Am schwersten zu finden sind laut der aktuellen Erhebung Fachleute für die IT-Administration, gefolgt von Softwareentwicklung, Cloud und IT-Sicherheit – also gerade die Rollen, die den laufenden Betrieb tragen und an denen die Anforderungen durch NIS2, KI-Verordnung und Cyber Resilience Act hängen.

Nach der Zahl der Nennungen stehen in der jüngsten Befragung allerdings ganz klassische Profile vorn: Fachkräfte für IT-Administration und Systembetrieb werden am häufigsten gesucht (26 Prozent), vor Softwareentwicklung und -architektur (17 Prozent) sowie Cloud und Infrastruktur (14 Prozent); IT-Sicherheit folgt mit 11 Prozent. Für den Mittelstand ist das die unbequemere Nachricht. Am häufigsten fehlt genau die Rolle, die den laufenden Betrieb trägt.

Ein Rechenbeispiel: die Lücke nach einer Kündigung

Die folgenden Annahmen sind ein Beispiel, keine Erhebung. Ein Unternehmen mit rund 80 Arbeitsplätzen beschäftigt zwei IT-Kräfte, eine davon kündigt mit drei Monaten Frist. Die Suche beginnt mit dem Eingang der Kündigung und dauert so lange wie im Durchschnitt, also knapp acht Monate. Dann trägt die verbleibende Person rund fünf Monate allein – und danach folgt die Einarbeitung, in der die neue Kraft noch keine vollwertige Vertretung ist.

In diese Monate fallen Urlaub, Krankheit und die üblichen Störungen. Jede Abwesenheit der verbleibenden Person bedeutet dann: niemand im Haus, der Sicherungen prüft, Zugänge sperrt oder einen Vorfall einordnet. Ob eine solche Lücke entsteht, hat ein Unternehmen nur begrenzt in der Hand. Wie gut es auf sie vorbereitet ist, dagegen vollständig.

Konsequenzen für die eigene Aufstellung

  • Vertretung schriftlich regeln: Wer übernimmt was, wenn die Schlüsselperson ausfällt?
  • Dokumentation als Personalvorsorge begreifen – sie entscheidet, ob eine Vertretung überhaupt handlungsfähig ist.
  • Standardaufgaben von Spezialaufgaben trennen: Überwachung, Sicherung und Patchen lassen sich verlässlich vergeben.
  • Interne Kräfte für das einsetzen, was Betriebswissen verlangt – nicht für das, was jeder Dienstleister kann.
  • Zugänge, Kennwörter und Lizenzen in einer Kennwortverwaltung mit geregeltem Notfallzugriff führen, nicht im Gedächtnis einer einzelnen Person.
  • Für die wichtigsten Abläufe – Wiederherstellung, Benutzer anlegen und sperren, Verhalten im Notfall – Arbeitsanweisungen hinterlegen, die eine fachkundige Vertretung ohne Rückfrage ausführen kann.
  • Wissen nicht nur aufschreiben, sondern weitergeben: Die Vertretung regelmäßig echte Aufgaben erledigen lassen, solange die Schlüsselperson noch im Haus ist und Fragen beantworten kann.
  • Weiterbildung fest einplanen: Wer vorhandene Kräfte qualifiziert, bindet sie und wird unabhängiger vom Arbeitsmarkt.

Was sich vergeben lässt – und was im Haus bleibt

Die Grenze zwischen Standard- und Spezialaufgaben verläuft nicht entlang der Schwierigkeit, sondern entlang der Bindung an Betriebswissen. Überwachung, Sicherung, Patchen und die Pflege der Grundinfrastruktur folgen festen Regeln und lassen sich mit Reaktionszeiten vertraglich vereinbaren. Welche Anwendung im Störfall Vorrang hat, welcher Buchhaltungslauf am Monatsende nicht stehen darf, welcher Lieferant im Notfall erreichbar sein muss – dieses Wissen entsteht im Betrieb und bleibt dort.

Nicht übertragbar ist die Verantwortung. Wer Aufgaben an einen Dienstleister gibt, muss festlegen, wer im eigenen Haus die Leistung steuert, Berichte liest und Entscheidungen trifft. Für Unternehmen im Anwendungsbereich von NIS2 liegt diese Steuerung ausdrücklich bei der Geschäftsleitung.

Damit eine Vergabe die Personalabhängigkeit tatsächlich verringert und nicht nur verlagert, gehören einige Punkte in den Vertrag: dass die Dokumentation dem Auftraggeber gehört und laufend übergeben wird, dass Administratorzugänge auf das Unternehmen registriert sind und nicht auf einzelne Techniker, und wie die Übergabe bei Vertragsende abläuft. Sonst entsteht dieselbe Abhängigkeit ein zweites Mal – nur außerhalb des eigenen Hauses.

Drei Fragen genügen, um den eigenen Stand einzuschätzen: Wer vertritt wen, und hat die Vertretung die Aufgabe schon einmal tatsächlich erledigt? Wo steht, wie eine Sicherung zurückgespielt wird? Und welche Zugänge kennt heute nur eine einzige Person? Wer auf eine dieser Fragen keine schnelle Antwort bekommt, hat seine wichtigste Baustelle gefunden.

Unsere Einordnung: Der Arbeitsmarkt entspannt sich statistisch, aber nicht für die Rolle, die im Mittelstand am schwersten zu ersetzen ist – die Person, die den eigenen Betrieb kennt. Wer diese Abhängigkeit kennt, kann sie entschärfen, bevor sie zum Problem wird.

Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei EU AI Act, Herstellergarantie und SLA weiter.

Quellen

  1. Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte 2026 · Bitkom Research
  2. IT-Fachkräftemangel hat sich in den letzten drei Jahren halbiert · Bitkom

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