Zwischen Hype und Skepsis liegt der produktive Einsatz. Wir schreiben über Anwendungsfälle, die sich im Mittelstand tatsächlich rechnen – und über die, die es nicht tun.
Worum es in diesem Ressort geht
KI & Automatisierung behandelt den praktischen Einsatz künstlicher Intelligenz und einfacherer Automatisierung im Unternehmen: welche Anwendungsfälle sich tatsächlich rechnen, welche rechtlichen Rahmenbedingungen – etwa die KI-Verordnung – gelten, und wie eine Nutzungsrichtlinie aussieht, die im Alltag tatsächlich gelesen wird. Auch der eigene Betrieb von KI-Modellen im Rechenzentrum gehört dazu.
Für die Entscheidung im Unternehmen zählt weniger die Technologie selbst als die Frage, wo sie einen messbaren Unterschied macht. Nicht jede Aufgabe profitiert von KI – häufig liefert klassische Automatisierung ohne KI-Modell schneller und günstiger einen Nutzen. Ebenso entscheidend: Wohin fließen Daten, die in ein KI-System eingegeben werden, und wer im Unternehmen verantwortet diese Entscheidung im Alltag.
Nicht Teil dieses Ressorts ist die allgemeine Softwareauswahl ohne KI-Bezug – dafür ist Software & Digitalisierung zuständig – und auch nicht die datenschutzrechtliche Detailprüfung einzelner Verfahren, die im Ressort Datenschutz & Compliance vertieft wird. KI & Automatisierung befasst sich mit dem Anwendungsfall und seiner Wirtschaftlichkeit.
Zwischen Euphorie und Ernüchterung liegt der produktive Einsatz: drei Anwendungsfelder, in denen künstliche Intelligenz im Mittelstand zuverlässig Nutzen stiftet – und zwei, in denen Vorsicht geboten ist.
Ein KI-Agent, der Postfächer sortiert, liest jede eingehende Nachricht – auch die eines Angreifers. Steht darin eine versteckte Anweisung, kann der Agent sie ausführen, als käme sie von Ihnen. Das BSI nennt das indirekte Prompt Injection. Die Abwehr liegt weniger im Modell als in den Rechten, die man dem Agenten gibt.
Copilot umgeht keine Rechte. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Er findet alles, was ein Nutzer sehen darf – auch die Dateien, die seit Jahren zu weit freigegeben sind und die bisher niemand bemerkt hat. In vielen Häusern ist das der eigentliche Grund, warum eine Copilot-Einführung zuerst ein Aufräumprojekt sein sollte.
Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten der KI-Verordnung. Für ein Marketing, das Bilder, Videos oder Stimmen mit KI erzeugt, heißt das: Wer einen Deepfake veröffentlicht, muss offenlegen, dass er künstlich ist. Nicht jedes KI-Bild ist ein Deepfake – aber die Grenze sollte man kennen, bevor der nächste Prospekt in Druck geht.
Ein offenes Sprachmodell auf eigener Hardware – damit die Daten das Haus nicht verlassen. Ob das funktioniert, entscheidet zuerst eine Zahl: der Grafikspeicher. Hugging Face nennt eine einfache Faustregel, und mit ihr lässt sich in einer Minute abschätzen, ob ein Modell auf eine Karte passt oder einen Server braucht.
Hundert Bewerbungen auf eine Stelle, und ein System, das sie vorsortiert: Viele Bewerbermanagement-Programme bieten das inzwischen an. Nach der KI-Verordnung ist genau dieser Einsatz ein Hochrisiko-Bereich. Die Pflichten dafür beginnen nach der Verschiebung durch den Digital-Omnibus am 2. Dezember 2027. Wer heute einkauft, kauft für diesen Tag.
Seit August 2026 gelten zentrale Teile der KI-Verordnung. Kurz zuvor hat die EU den größten Pflichtenblock für Hochrisiko-Systeme nach hinten verschoben. Wer daraus „später“ liest, verpasst, was schon jetzt gilt.
Zwei Seiten, die sagen, welche Werkzeuge erlaubt sind, welche Daten hineindürfen und wer im Zweifel entscheidet. Wie eine solche Richtlinie aufgebaut ist und welche Pflicht zur KI-Kompetenz dabei zu bedienen ist.
Der Einsatz von KI-Diensten wirft eine simple, aber folgenreiche Frage auf: Was passiert mit dem, was hineingegeben wird? Drei Betriebsmodelle im Vergleich.
Bevor über künstliche Intelligenz diskutiert wird, lohnt der Blick auf einfache Automatisierung. Sie ist billiger, schneller umgesetzt und liefert oft den größeren Effekt.