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Das Journal des DAVINCI RechenzentrumsMittwoch, 30. September 2026127 Beiträge · 14 Ressorts

DAVINCI Journal

Netzwerk & Systemtechnik

WLAN im Unternehmen: Warum mehr Sendeleistung selten die Lösung ist

Schlechtes WLAN wird meist mit stärkeren Geräten bekämpft – und dadurch oft schlechter. Was tatsächlich hilft: Planung, Kanäle und die richtige Zahl an Zugangspunkten.

Arbeitsplätze mit drahtloser Netzwerkanbindung
Symbolbild, künstlich erzeugtStand der Angaben: September 2026

Wenn das Firmen-WLAN stockt, lautet die häufigste Reaktion: ein stärkeres Gerät kaufen. Meist verschlimmert das die Lage. Denn WLAN ist ein geteiltes Medium – mehrere laute Sender auf demselben Kanal stören einander, statt sich zu ergänzen. Besseres WLAN entsteht durch Planung, nicht durch Lautstärke.

Warum lauter nicht besser ist

Funkverbindungen haben zwei Richtungen. Ein Zugangspunkt mit hoher Sendeleistung ist zwar weit zu hören, das Notebook oder Smartphone antwortet aber mit deutlich geringerer Leistung. Das Endgerät zeigt volle Empfangsbalken an, während seine Antworten den Zugangspunkt kaum noch erreichen – die Verbindung besteht formal und ist praktisch unbrauchbar.

Hinzu kommt das Verhalten der Endgeräte. Sie entscheiden selbst, wann sie zu einem anderen Zugangspunkt wechseln, und halten oft zu lange an einem entfernten, aber lauten Gerät fest. Außerdem teilen sich alle Geräte auf einem Kanal die verfügbare Sendezeit: Hören sich zwei Zugangspunkte auf demselben Kanal, müssen sie abwechselnd senden. Ein zu lautes Gerät verschlechtert so auch die Leistung seiner Nachbarn. Die Sendeleistung der Zugangspunkte sollte deshalb eher an die schwächeren Endgeräte angepasst werden als an den Wunsch nach großer Reichweite.

Frequenzbänder und Kanäle

Statt weniger starker Zugangspunkte braucht es meist mehrere kleinere mit reduzierter Sendeleistung und sauber verteilten Kanälen. Das 2,4-GHz-Band reicht dabei weit, bietet aber nur wenige Kanäle, die sich nicht überlappen, und wird zusätzlich von vielen anderen Funkanwendungen genutzt. Das 5-GHz-Band stellt deutlich mehr Kanäle bereit; ein Teil davon unterliegt allerdings der dynamischen Frequenzwahl, bei der Zugangspunkte auf Radarsignale achten und den Kanal gegebenenfalls wechseln müssen.

Das 6-GHz-Band ist in Deutschland seit 2021 im Bereich von 5.945 bis 6.425 MHz für WLAN freigegeben und bringt zusätzliche 480 MHz Spektrum. Nach den Zertifizierungsvorgaben der Wi-Fi Alliance müssen Geräte in diesem Band WPA3 verwenden; ältere Endgeräte können es gar nicht nutzen. Höhere Frequenzen reichen außerdem weniger weit und werden von Wänden stärker gedämpft – ein weiterer Grund für mehrere, näher beieinander stehende Zugangspunkte.

Hinzu kommt die Kanalbreite. Moderne Geräte können mehrere Kanäle bündeln, um höhere Datenraten zu erreichen. In dicht belegten Umgebungen verringert das allerdings die Zahl der unabhängigen Kanäle und verstärkt die gegenseitige Störung; schmalere Kanäle mit sauberer Verteilung liefern dort oft den stabileren Betrieb. Die Spitzenwerte auf dem Datenblatt sind deshalb selten ein brauchbarer Maßstab für ein Büro mit vielen gleichzeitigen Nutzern.

Planung vor dem Kauf

Gute Planung beginnt nicht beim Gerät, sondern bei der Nutzung. Wie viele Endgeräte sind gleichzeitig in welchem Bereich aktiv, und welche Anwendungen laufen darüber – Videokonferenzen, Handscanner im Lager, Telefonie? Ein Besprechungsraum mit zwanzig Teilnehmern stellt andere Anforderungen als ein Flur, eine Lagerhalle mit Metallregalen andere als ein Großraumbüro. Aus diesen Angaben ergibt sich, wo Kapazität gebraucht wird und wo bloße Abdeckung genügt.

Vor jeder Beschaffung lohnt eine Messung im Gebäude, bei Neubauten zumindest eine rechnerische Ausleuchtungsplanung mit späterer Kontrollmessung. Betonwände, Metallregale, beschichtete Glasflächen und Brandschutztüren verändern die Ausbreitung so stark, dass Planung nach Grundriss allein regelmäßig danebenliegt. Zur Planung gehören auch die Kabelwege: Jeder Zugangspunkt braucht eine Netzwerkleitung, meist mit Stromversorgung über das Netzwerkkabel, und die Switches müssen diese Leistung bereitstellen können.

Wo Mitarbeiter mit Telefonen oder Scannern unterwegs sind, kommt das Roaming hinzu, also der Wechsel zwischen Zugangspunkten ohne Verbindungsabbruch. Es gelingt nur, wenn sich die Funkzellen ausreichend überlappen und die Zugangspunkte zentral verwaltet werden, damit sie Einstellungen und Anmeldeinformationen teilen. Für Sprachanwendungen ist das besonders wichtig, weil schon kurze Unterbrechungen als Aussetzer hörbar werden.

Nach der Installation folgt eine Abnahmemessung. Sie dokumentiert Signalstärke, Kanalverteilung und Störquellen und dient später als Vergleichswert, wenn sich Beschwerden häufen oder Räume umgenutzt werden.

Sicherheit gehört zur Planung

  • Gäste strikt in ein separates Gastnetz mit reinem Internetzugang und ohne jeden Zugriff auf interne Systeme.
  • Nur so viele Netznamen wie nötig: Jeder zusätzliche Name belegt Sendezeit für Verwaltungsinformationen. Mit zertifikatsbasierter Anmeldung lassen sich Geräte auch über einen gemeinsamen Netznamen verschiedenen Bereichen zuordnen.
  • Firmengeräte über zertifikatsbasierte Anmeldung nach dem Standard IEEE 802.1X statt über ein gemeinsames Passwort, das beim Ausscheiden jedes Mitarbeiters geändert werden müsste.
  • Aktuelle Verschlüsselung: WPA3, mindestens WPA2 mit starkem Schlüssel für ältere Geräte, die sich noch nicht umstellen lassen.
  • Geräte für Produktion, Lager und Gebäudetechnik in eigene Netzbereiche mit eng begrenzten Rechten.
  • Verwaltungsoberflächen der Zugangspunkte und des Controllers weder aus dem Gäste- noch aus dem Büronetz erreichbar.
  • Regelmäßige Suche nach fremden Zugangspunkten, die Mitarbeiter oder Dienstleister eigenmächtig angeschlossen haben.

Auch ein gut geplantes WLAN braucht Pflege. Firmware-Aktualisierungen schließen Sicherheitslücken, und Veränderungen im Gebäude – neue Regale, zusätzliche Arbeitsplätze, ein Nachbar mit eigenem Funknetz – verändern die Funkumgebung. Eine zentrale Verwaltung, die Auslastung und Störungen je Zugangspunkt anzeigt, macht solche Entwicklungen sichtbar, bevor sie zu Beschwerden führen.

Wer vor der nächsten Beschaffung steht, sollte deshalb nicht mit dem Gerätetyp beginnen, sondern mit Nutzungsprofil, Messergebnis und Sicherheitskonzept. Stehen diese drei Grundlagen fest, wird die Wahl des Herstellers zur nachgeordneten Frage.

Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei Gastnetz, DNS und Firewall weiter.

Quellen

  1. NET.2.1 WLAN-Betrieb · BSI (IT-Grundschutz-Kompendium, Edition 2023)amtlich
  2. WLAN & LAN - was man wissen sollte · BSIamtlich

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