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Das Journal des DAVINCI RechenzentrumsMittwoch, 30. September 2026127 Beiträge · 14 Ressorts

DAVINCI Journal

Cloud & Infrastruktur

Cloud-Kosten im Griff: Warum die Rechnung immer höher ist als geplant

Cloud-Angebote wirken günstig, weil sie klein anfangen. Teuer werden sie durch Posten, die im Angebot nicht vorkommen – Datenverkehr, Speicherklassen und vergessene Ressourcen.

Mitarbeiterin mit Tablet geht durch einen Gang zwischen Serverschränken in einem Rechenzentrum
Symbolbild, künstlich erzeugtStand der Angaben: September 2026

Der Einstieg in die Cloud ist meist günstig – der Betrieb selten. Das liegt weniger an unehrlichen Preisen als an einem Abrechnungsmodell, das viele kleine Posten kennt. Wer nur den Preis pro Recheneinheit vergleicht, übersieht regelmäßig einen großen Teil der späteren Rechnung.

Hinzu kommt eine organisatorische Eigenheit: In der Cloud entsteht eine neue Ressource mit wenigen Klicks, ohne Bestellung, ohne Lieferschein und ohne Freigabe durch den Einkauf. Was im eigenen Serverraum eine Investitionsentscheidung wäre, ist hier eine laufende Ausgabe, die niemand bewusst beschlossen hat. Ein natürliches Ende gibt es nicht – eine Ressource läuft, bis jemand sie abschaltet.

Die klassischen Kostentreiber

  • Ausgehender Datenverkehr: Daten hineinzuschieben ist billig, sie herauszuholen kostet – dauerhaft. Das betrifft jeden Abruf durch Nutzer, Standorte oder externe Sicherungen, bei manchen Anbietern auch den Verkehr zwischen eigenen Regionen oder Zonen.
  • Speicherklassen: Schneller Speicher kostet ein Vielfaches von Archivspeicher, wird aber oft pauschal verwendet. Umgekehrt ist Archivspeicher günstig im Liegen, verursacht beim Abruf aber eigene Kosten und hat häufig Mindestspeicherdauern.
  • Vergessene Ressourcen: Testumgebungen, Snapshots und Datenträger laufen weiter, wenn niemand aufräumt. Auch der Datenträger eines abgeschalteten Servers wird weiter berechnet.
  • Lizenzen: Serverbetriebssysteme und Datenbanken werden in der Cloud teils anders berechnet als im eigenen Haus. Ob vorhandene Lizenzen mitgenommen werden dürfen, regeln die Bedingungen des jeweiligen Herstellers.
  • Sicherung und Georedundanz: notwendig, aber selten im ersten Angebot enthalten.
  • Protokolle und Überwachung: Aufbewahrung von Protokolldaten, Überwachungsdienste und erweiterter Herstellersupport werden bei vielen Anbietern gesondert berechnet.

Für die Angebotsprüfung folgt daraus eine einfache Regel: Ein Cloud-Angebot sollte für ein realistisches Nutzungsszenario gerechnet sein – mit angenommenem Datenvolumen, Abrufmenge, Sicherungsumfang und Aufbewahrungsdauer der Protokolle. Fehlen diese Annahmen, vergleicht man einen Grundpreis mit einer späteren Gesamtrechnung. Die Annahmen gehören schriftlich ins Angebot, damit sie nach einigen Monaten mit der tatsächlichen Nutzung abgeglichen werden können.

Ein Rechenbeispiel ohne Preise

Wie viel Spielraum in der Laufzeit steckt, zeigt eine einfache Stundenrechnung mit angenommenen Werten. Ein Monat hat rund 730 Stunden. Eine Testumgebung, die an 21 Arbeitstagen jeweils zehn Stunden genutzt wird, ist rund 210 Stunden im Einsatz. Läuft sie durch, werden etwa 520 Stunden bezahlt, in denen niemand sie braucht – gut 70 Prozent der Laufzeit.

Eine zeitgesteuerte Abschaltung außerhalb der Arbeitszeit senkt den Anteil für Rechenleistung entsprechend; Speicher wird weiter berechnet, weil die Daten erhalten bleiben. Für Produktivsysteme eignet sich das selten, für Test-, Schulungs- und Entwicklungsumgebungen fast immer. Die Rechnung zeigt zugleich, warum nutzungsabhängige Abrechnung nur dann ein Vorteil ist, wenn die Nutzung tatsächlich schwankt.

Ein zweiter, stiller Kostentreiber ist Überdimensionierung. Bei Migrationen wird gern eine Nummer größer gewählt, sicherheitshalber – und danach nie wieder nachgesehen. Anders als im eigenen Serverraum lässt sich die Größe eines Systems in der Cloud meist mit geringem Aufwand anpassen. Eine vierteljährliche Prüfung der tatsächlichen Auslastung zeigt, welche Systeme dauerhaft nur einen Bruchteil ihrer bezahlten Leistung abrufen. Jede Verkleinerung wirkt dann auf alle folgenden Monatsrechnungen.

Rabatt gegen Bindung

Große Anbieter gewähren deutliche Nachlässe, wenn sich der Kunde für ein oder drei Jahre auf eine bestimmte Abnahmemenge festlegt. Für gleichmäßig laufende Systeme ist das wirtschaftlich naheliegend. Es verändert aber den Charakter des Modells: Aus der flexiblen Cloud wird eine feste Verpflichtung, die auch dann bezahlt wird, wenn das System verkleinert oder abgelöst wird. Bindungen sollten deshalb nur für die Grundlast eingegangen werden, die mit hoher Sicherheit über die gesamte Laufzeit gebraucht wird.

Für den Ausstieg hat sich die Rechtslage verändert. Nach dem EU Data Act dürfen Anbieter von Cloud-Diensten ab dem 12. Januar 2027 keine Entgelte mehr für den Wechsel zu einem anderen Anbieter oder zurück in die eigene Infrastruktur verlangen, ausdrücklich einschließlich der Gebühren für den Datenausgang beim Wechsel; bis dahin sind nur noch Entgelte in Höhe der unmittelbaren Wechselkosten zulässig. Für den laufenden Betrieb gilt das nicht: Wer im Alltag Daten abruft, zahlt weiter nach Tarif. Einzelheiten der Wechselregeln werden im Rahmen des Digital Omnibus derzeit noch verhandelt.

Was im Alltag hilft

Wirksam sind drei einfache Gewohnheiten: eine monatliche Sichtung der Kostenaufstellung nach Posten statt nach Gesamtsumme, ein fester Verantwortlicher für die Abschaltung nicht mehr benötigter Ressourcen und die Trennung der Systeme nach Lastprofil. Konstante Grundlast gehört auf feste, kalkulierbare Infrastruktur; nur echte Spitzen gehören in elastische Modelle.

Technisch unterstützen lässt sich das mit wenigen Mitteln. Jede Ressource erhält beim Anlegen eine Kennzeichnung mit Kostenstelle, Projekt und verantwortlicher Person – ohne diese Angabe darf sie nicht entstehen. Budgetgrenzen mit automatischer Benachrichtigung melden Abweichungen, bevor die Monatsrechnung sie zeigt. Unter dem Begriff FinOps hat sich dafür eine eigene Disziplin entwickelt, deren Kern schlicht ist: Technik, Einkauf und Finanzen betrachten Cloud-Kosten gemeinsam und laufend, nicht einmal im Jahr.

Eine Frage sollte die Geschäftsführung jeden Monat stellen können und beantwortet bekommen: Welche fünf Posten sind seit dem Vormonat am stärksten gestiegen, und wer hat das veranlasst? Solange diese Antwort in wenigen Minuten vorliegt, bleibt der Vorteil der Cloud erhalten, ohne dass die Rechnung zum monatlichen Ärgernis wird.

Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei Private Cloud, Cloud-Migration und Datenhoheit weiter.

Quellen

  1. OPS.2.2 Cloud-Nutzung · BSIamtlich
  2. Optimieren Ihrer Cloudinvestitionen mit Cost Management · Microsoft
  3. Jedes zweite Unternehmen nutzt kostenpflichtige Cloud-Services · Statistisches Bundesamt (Destatis)amtlich

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