Wer eine statische Website vorgeschlagen bekommt, hört meist zuerst die Vorteile: sicher, schnell, wartungsarm. Das stimmt alles. Die nützlichere Information ist aber, wo die Sache endet – denn genau daran scheitern Projekte, die gut gemeint waren. Dieser Beitrag geht die Funktionen einer typischen Firmenwebsite durch und sagt bei jeder, ob sie geht, wie sie geht oder warum sie nicht geht.
Das Prinzip in einem Satz
Eine statische Website besteht aus Dateien, die fertig auf dem Server liegen. Kommt ein Besucher, wird die Datei ausgeliefert – nichts wird berechnet, nichts nachgeschlagen, nichts ausgeführt.
Daraus folgt alles Weitere. Was im Browser des Besuchers passieren kann, geht. Was auf dem Server passieren müsste, geht nicht.
Was ohne Weiteres funktioniert
Seiten, Texte, Bilder, Dokumente. Der Normalfall einer Firmenwebsite. Nichts davon muss berechnet werden.
Navigation, Untermenüs, Breadcrumbs. Wird beim Erzeugen mitgebaut.
Mehrsprachigkeit. Jede Sprachfassung wird als eigene Seite erzeugt. Für Suchmaschinen sogar sauberer als eine Umschaltung zur Laufzeit.
News und Blog. Jeder Beitrag wird eine Datei, Übersichten und Jahresarchive entstehen automatisch.
Downloads. Ein PDF ist eine Datei – der Idealfall.
Einbindungen wie Karten, Videos, Bewertungssiegel. Die laufen ohnehin beim Anbieter, nicht bei Ihnen.
Was anders gelöst wird – für Besucher unmerklich
Kontaktformular
Bei WordPress nimmt PHP das Formular entgegen und verschickt die Mail. Ohne PHP braucht es eine andere Stelle, die das übernimmt: ein kleiner Dienst im Hintergrund, an den das Formular seine Daten schickt.
Für den Besucher ändert sich nichts: ausfüllen, absenden, Bestätigung. Die Nachricht kommt an wie bisher. Beim Einrichten gehört geklärt, wo dieser Dienst läuft – aus Datenschutzgründen sollte er in der EU stehen und nicht mehr Daten erfassen als nötig.
Website-Suche
WordPress durchsucht die Datenbank. Eine statische Seite hat keine, dafür kann beim Erzeugen ein Suchindex mitgebaut werden, den der Browser des Besuchers durchsucht. Ergebnis: Die Suche ist schneller als vorher, weil keine Anfrage an den Server nötig ist. Bei sehr großen Websites wird der Index allerdings groß – ab einigen tausend Seiten lohnt ein eigener Suchdienst.
Formulare mit Berechnung
Ein Rückrufformular geht. Ein Konfigurator, der Preise ausrechnet, geht ebenfalls – wenn die Berechnung im Browser stattfinden darf. Wenn die Preislogik nicht öffentlich werden soll, geht es nicht.
Was nicht geht
Hier hilft kein Umweg. Diese drei Punkte sind der Grund, warum eine statische Website nicht für jede Seite taugt.
Login- und Mitgliederbereich
Ein Login bedeutet: Jemand gibt Daten ein, etwas prüft sie, und je nach Ergebnis bekommt er andere Inhalte zu sehen. Jeder dieser Schritte passiert beim Aufruf. Eine fertige Datei kann nicht entscheiden, wer sie anschauen darf.
Es gibt Behelfe – ein serverseitiger Passwortschutz für ein ganzes Verzeichnis etwa. Für „Kunden sehen ihre Preise" oder „Mitglieder laden Protokolle herunter" reicht das nicht.
Wenn Ihre Website einen Kundenbereich hat, ist sie kein Fall für eine Umstellung.
Terminbuchung
Freie Termine müssen in dem Moment geprüft werden, in dem jemand bucht, sonst entstehen Doppelbelegungen. Lösbar ist das nur über einen externen Buchungsdienst, der eingebunden wird. Die Buchung findet dann dort statt, nicht auf Ihrer Seite.
Onlineshop
Warenkorb, Kasse, Zahlung, Lagerbestand – alles Vorgänge zur Laufzeit. Ein Shop kann nicht statisch sein. Dazu haben wir einen eigenen Beitrag: Onlineshop: warum statisch hier nicht geht.
Die Grauzone: Kommentare, Mitgliederlisten, Live-Daten
Kommentare brauchen einen Dienst. Bei Firmenwebsites sind sie fast immer abgeschaltet, weil sie Pflegeaufwand erzeugen und selten genutzt werden.
Listen, die sich oft ändern – freie Stellen, Veranstaltungen, Lagerbestände – gehen, solange eine Verzögerung von Minuten vertretbar ist. Bei einem Lagerbestand, der sich stündlich ändert, ist sie das nicht.
Daten aus einem anderen System, etwa Produktdaten aus der Warenwirtschaft, lassen sich beim Erzeugen übernehmen. Die Frage ist nur, wie aktuell sie sein müssen. Täglich: unproblematisch. Minütlich: falscher Ansatz.
Was mit Statistik, Cookie-Banner und Tracking passiert
Eine Frage, die regelmäßig erst nach der Umstellung gestellt wird – besser vorher.
Besucherstatistik funktioniert weiter. Sie läuft ohnehin nicht auf Ihrem Server, sondern über ein Stück Code im Browser des Besuchers, das die Daten an einen Dienst meldet. Ob dieser Dienst in der EU steht und ob er eine Einwilligung braucht, ändert sich durch die Umstellung nicht.
Serverseitige Auswertung fällt dagegen weg oder wird dünner. Wer bisher Zugriffszahlen aus den Protokollen des Webservers gezogen hat, bekommt bei einem Auslieferungsdienst unter Umständen andere oder weniger Daten. Das gehört vorher geklärt, wenn Sie darauf berichten.
Der Cookie-Banner wird in vielen Fällen überflüssig oder deutlich kürzer. Eine statische Seite setzt von sich aus keine Cookies und verfolgt niemanden. Was bleibt, sind die eingebundenen Dienste: Karten, Videos, Schriftarten von außen, Statistik. Ein häufiger Nebeneffekt der Umstellung ist, dass dabei auffällt, was WordPress-Erweiterungen bisher unbemerkt mitgeladen haben.
Das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten sollte nach der Umstellung angefasst werden: Was fällt weg, was kommt hinzu, wo liegt künftig der Formulardienst. Das ist keine große Sache, aber es gehört dokumentiert.
Die ehrliche Entscheidungsregel
Gehen Sie Ihre Website durch und notieren Sie jede Stelle, an der ein Besucher etwas eingibt oder etwas sieht, das nur für ihn bestimmt ist.
- Nichts gefunden? Dann ist eine statische Fassung die technisch sauberste Lösung.
- Nur Formular und Suche? Beides wird mit umgestellt, kein Hinderungsgrund.
- Login, Buchung oder Shop dabei? Dann bleiben Sie bei einem System, das zur Laufzeit arbeitet – und sichern es ordentlich ab. Was dazugehört, steht in WordPress-Wartung: was dazugehört.
Ein Mischbetrieb ist übrigens möglich und oft die beste Antwort: die Website statisch, der Shop oder das Portal als eigener Bereich unter einer Unteradresse. Dann ist wenigstens der Teil geschützt, der nichts zu berechnen hat.
Checkliste: erste Schritte
- Alle Seiten durchgehen und Eingabemöglichkeiten notieren
- Prüfen, ob es geschützte Bereiche gibt – auch vergessene aus alten Projekten
- Formulare auflisten und festhalten, wohin die Nachrichten heute gehen
- Klären, ob die Website-Suche genutzt wird und wie viele Seiten sie umfasst
- Daten aus anderen Systemen erfassen und deren nötige Aktualität bestimmen
- Bei Login, Buchung oder Shop: Mischbetrieb prüfen statt Komplettumstellung
Wie DAVINCI unterstützt
Wir sehen uns Ihre Website an und sagen Ihnen, in welche der drei Kategorien sie fällt – auch dann, wenn das Ergebnis gegen eine Umstellung spricht. Passt es, läuft die Umstellung wie unter WordPress ablösen beschrieben. Kontakt über die Kontaktseite.
Häufige Fragen
Ist eine statische Website wirklich sicherer?
Sie hat deutlich weniger Angriffsfläche: kein Programm, keine Datenbank, keine Anmeldemaske. Damit entfällt die häufigste Ursache für gehackte Firmenwebsites. Unverwundbar ist sie nicht – Webserver, Domain und Ihre Zugänge bleiben zu schützen.
Wie groß darf eine statische Website sein?
Einige tausend Seiten sind unproblematisch. Mit der Seitenzahl wächst die Zeit zum Erzeugen; bei sehr großen Beständen werden nur geänderte Seiten neu gebaut. Für Firmenwebsites ist das nie das begrenzende Thema.
Können wir ein Kontaktformular mit Datei-Upload haben?
Ja, das übernimmt derselbe Dienst wie das Formular. Prüfen Sie, welche Dateigrößen und -arten erlaubt sein sollen – bei offenen Uploads kommt sonst Werbung statt Bewerbung.
Was ist mit DSGVO und Cookie-Banner?
Eine statische Website braucht von sich aus weder Cookies noch Einwilligung, weil sie nichts nachverfolgt. Sobald Sie Karten, Videos oder Statistik einbinden, gilt dasselbe wie vorher. Oft wird der Banner nach der Umstellung aber schlanker, weil Plugins wegfallen, die unbemerkt Daten gesetzt haben.
Können wir später zurück zu WordPress?
Ja. Die Inhalte liegen in strukturierter Form vor und lassen sich einlesen. Aufwand entsteht vor allem bei Gestaltung und Seitenstruktur, nicht bei den Texten.
Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei WordPress-Alternative, Headless CMS und Onlineshop Sicherheit weiter.






