WordPress betreibt einen erheblichen Teil aller Websites, und das aus guten Gründen: Es ist verbreitet, es gibt für alles eine Erweiterung, und jede Agentur kann damit umgehen. Wer nach einer WordPress-Alternative sucht, tut das selten aus Neugier – meist steht ein Anlass dahinter. Eine gehackte Seite, eine Wartungsrechnung, die niemand mehr erklären kann, oder ein Tag wie der 21. Oktober 2026, an dem reihenweise Websites vom Netz gingen.
Dieser Beitrag wägt nüchtern ab: Für welche Seiten lohnt der Wechsel auf eine statische Fassung, für welche nicht.
Die Frage, die alles entscheidet
Sie lautet nicht „welches System ist besser", sondern: Muss auf meiner Website etwas passieren, wenn ein Besucher kommt?
Bei den meisten Firmenwebsites lautet die Antwort nein. Jemand liest, worum es geht, sieht Referenzen an, schaut ins Impressum und schickt vielleicht eine Nachricht. Dafür muss nichts berechnet werden – die Seiten könnten genauso gut fertig bereitliegen.
Bei einem Shop, einem Kundenportal oder einer Terminbuchung lautet die Antwort ja. Dort entsteht erst beim Aufruf, was der Besucher sieht, und das kann eine fertige Datei nicht leisten.
Alles Weitere folgt aus dieser einen Unterscheidung.
Was Sie gewinnen
Die Angriffsfläche verschwindet. Kein PHP, keine Datenbank, keine Anmeldemaske im Netz. Lücken in Erweiterungen laufen ins Leere, weil es keine Erweiterungen gibt. Eine Lücke in PHP selbst trifft Sie nicht, weil kein PHP läuft.
Die Update-Pflicht entfällt. Der häufigste Grund für gehackte Firmenwebsites ist ein vergessenes Update. Wo nichts zu aktualisieren ist, kann nichts vergessen werden.
Die Seite wird schneller. Eine fertige Datei auszuliefern dauert einen Bruchteil davon, sie erst zusammenzusetzen. Das merken Besucher, und Suchmaschinen messen es.
Der Betrieb wird billiger und langweiliger. Statische Dateien brauchen keinen leistungsfähigen Server. Und „langweilig" ist beim Betrieb ein Kompliment.
Was Sie aufgeben
Ehrlichkeit gehört dazu, sonst ist die Abwägung keine.
Den vertrauten Baukasten. Für jede Idee gibt es in WordPress ein Plugin. Bei einer statischen Website wird jede Zusatzfunktion einzeln gelöst. Das ist sauberer, aber nicht spontaner.
Sofortige Sichtbarkeit von Änderungen. Zwischen Speichern und Sichtbarwerden liegen Minuten statt Sekunden.
Die freie Agenturwahl. Jede Agentur kann WordPress. Nicht jede kann statische Websites. Das ist ein echtes Argument, und Sie sollten es in die Entscheidung einbeziehen.
Bestimmte Funktionen ganz. Mitgliederbereich, Terminbuchung, Shop. Darüber lässt sich nicht verhandeln – siehe Was eine statische Website kann und was nicht.
Drei Fälle aus der Praxis
Der klare Fall: Eine Handwerksfirma mit zwölf Seiten, Leistungen, Referenzen, Kontaktformular. Änderungen vielleicht viermal im Jahr. Hier zahlt die Wartung einen Betrieb, den niemand braucht. Umstellen.
Der Grenzfall: Ein Mittelständler mit sechzig Seiten, zweisprachig, regelmäßigem Blog und einem Downloadbereich für Datenblätter. Technisch gut machbar, aber hier braucht es ein funktionierendes Redaktionssystem und eine klare Zuständigkeit. Der Gewinn ist real, der Umstellungsaufwand auch. Rechnen.
Der Fall, bei dem man es lassen sollte: Ein Hersteller mit Händlerportal, Login und Preisen nach Kundengruppe. Hier ist der Login kein Beiwerk, sondern der Zweck. Nicht umstellen – stattdessen die vorhandene Installation ordentlich absichern und betreuen.
Was ist mit den anderen Alternativen?
Wer nach einer WordPress-Alternative sucht, stößt auf verschiedene Wege:
Ein anderes klassisches CMS – TYPO3, Joomla, Drupal. Das tauscht ein Programm gegen ein anderes. Sie behalten Datenbank, Updates und Angriffsfläche; TYPO3 und Joomla laufen ebenfalls auf PHP und waren am 21. Oktober genauso betroffen. Sinnvoll, wenn Sie Funktionen brauchen, die WordPress nicht gut kann – nicht als Sicherheitsargument.
Ein Website-Baukasten. Schnell und wartungsfrei, aber Ihre Inhalte liegen beim Anbieter, der Gestaltungsrahmen ist eng, und ein Umzug ist später mühsam.
Eine statische Website. Der hier beschriebene Weg. Volle Kontrolle über Inhalte und Gestaltung, kein laufendes Programm.
Die Entscheidung hängt weniger am System als an der Frage vom Anfang.
Der richtige Zeitpunkt
Ein Wechsel ist nie dringend, bis er es ist. Vier Gelegenheiten, bei denen er sich ohnehin anbietet:
Wenn der Wartungsvertrag ausläuft. Dann steht die Frage nach den laufenden Kosten ohnehin auf dem Tisch, und eine Verlängerung um weitere zwei Jahre ist eine Entscheidung, keine Formalie.
Wenn ohnehin ein Relaunch ansteht. Gestaltung und Technik gleichzeitig zu ändern, kostet kaum mehr als die Gestaltung allein – und spart Ihnen einen zweiten Umzug der Inhalte.
Wenn der Dienstleister wechselt. Beim Übergang wird der Bestand ohnehin gesichtet. Das ist der günstigste Moment, um zu entscheiden, was künftig gilt.
Nach einem Vorfall. Wenn die Seite kompromittiert war, wird sie ohnehin neu aufgesetzt. Sie dann in derselben Bauart wieder aufzubauen, ist eine Entscheidung – und oft nicht die, die man bei Licht betrachtet treffen würde.
Umgekehrt gibt es einen Zeitpunkt, der sich nicht eignet: mitten in einer Kampagne oder kurz vor einer Messe. Jede Umstellung bringt zwei bis vier Wochen Unruhe in den Zahlen. Die will man nicht genau dann, wenn man sie auswertet.
Was der Wechsel kostet
Ehrlich: Es kostet einmalig Geld und spart danach laufend welches.
Der einmalige Aufwand hängt davon ab, wie viele Seiten es gibt, wie viele Sprachen, in welchem Zustand die bestehende Installation ist und welche Funktionen ersetzt werden müssen. Für eine übliche Firmenwebsite ist das ein überschaubarer Rahmen; wir nennen ihn nach einer Prüfung fest, siehe WordPress ablösen.
Laufend entfallen Wartungspauschale, Plugin-Lizenzen und die Kosten des leistungsfähigeren Hostings. Ob sich das in zwei oder vier Jahren trägt, hängt von Ihrem heutigen Vertrag ab. Was die Wartung heute leisten müsste, steht in WordPress-Wartung: was dazugehört.
Checkliste: erste Schritte
- Prüfen, ob auf der Website etwas zur Laufzeit passieren muss
- Zählen, wie oft im letzten Jahr tatsächlich etwas geändert wurde
- Alle Funktionen auflisten: Formulare, Suche, Login, Buchung, Shop, Downloads
- Laufende Kosten zusammenrechnen: Wartung, Hosting, Lizenzen
- Festlegen, wer die Inhalte künftig pflegt
- Bei Grenzfällen prüfen lassen, bevor entschieden wird
- Bei Login- oder Shop-Funktionen: Umstellung verwerfen, Absicherung planen
Wie DAVINCI unterstützt
Wir sehen uns Ihre Website an und sagen Ihnen schriftlich, ob eine Umstellung sinnvoll ist – auch dann, wenn die Antwort nein lautet. Passt es, stellen wir inhaltsgleich um und übergeben die Pflege an ein Redaktionssystem, siehe WordPress ablösen. Passt es nicht, betreuen wir die bestehende Installation im Rahmen von Webdesign und SEO. Kontakt über die Kontaktseite.
Häufige Fragen
Verlieren wir unsere Google-Platzierungen?
Nicht, wenn die Umstellung sauber läuft. Für eine Suchmaschine zählen Adressen, Inhalte und Geschwindigkeit – nicht die Technik dahinter. Worauf zu achten ist, steht in Website-Relaunch ohne Rankingverlust.
Sieht die Seite danach anders aus?
Nur wenn Sie das wollen. Eine Umstellung kann das Erscheinungsbild unverändert lassen; viele nutzen die Gelegenheit trotzdem für eine Auffrischung. Beides geht, aber es sind zwei Projekte.
Was ist mit unserem Blog?
Der kommt mit. Beiträge schreiben Sie weiterhin im Redaktionssystem, nach dem Speichern wird die Seite neu erzeugt. Nur Kommentare funktionieren nicht ohne Zusatzdienst – bei Firmenwebsites sind sie meist ohnehin abgeschaltet.
Ist das nicht ein Rückschritt zu HTML-Seiten von früher?
Im Ergebnis ja, im Verfahren nein. Früher wurde jede Seite von Hand gepflegt. Heute entstehen dieselben fertigen Dateien automatisch aus einem Redaktionssystem. Sie haben den Komfort von damals nicht – Sie haben den von heute, nur ohne laufendes Programm.
Und wenn wir später doch einen Shop brauchen?
Dann wird er ergänzt, nicht die Website zurückgebaut. Der Shop läuft als eigener Bereich mit eigener Technik, die Seiten drumherum bleiben statisch. Warum ein Shop selbst nicht statisch sein kann, steht in Onlineshop: warum statisch hier nicht geht.
Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei TYPO3 ablösen, statische Website und Headless CMS weiter.







