Es gibt ein Datum, das in vielen Serverräumen noch niemand notiert hat: 12. Januar 2027. An diesem Tag endet der erweiterte Support für Windows Server 2016. Von heute aus sind das 80 Tage.
Danach erscheinen keine Sicherheitsupdates mehr. Nicht weniger, nicht seltener – keine.
Wer gerade die PHP-Schwachstellen miterlebt hat, weiß inzwischen, was das praktisch heißt: Zwischen der Veröffentlichung einer Lücke und den ersten automatisierten Angriffen lag in diesem Monat genau ein Tag. Ein System ohne Updates ist in diesem Tempo kein Risiko mehr, das man verwaltet, sondern eines, das man hinnimmt.
Die Daten, schwarz auf weiß
Alle Angaben stammen aus der Lebenszyklus-Datenbank von Microsoft, abgerufen am 24. Oktober 2026.
| Produkt | Mainstream endete | Erweiterter Support endet |
|---|---|---|
| Windows Server 2016 | 11.01.2022 | 12.01.2027 |
| Windows Server 2019 | 09.01.2024 | 09.01.2029 |
| Windows Server 2022 | 13.10.2026 | 14.10.2031 |
| Exchange Server 2019 | 09.01.2024 | 14.10.2025 – vorbei |
| Office 2019 | 10.10.2023 | 14.10.2025 – vorbei |
Drei Dinge fallen daran auf, und nur eines davon steht in der Überschrift.
Das eigentliche Problem heißt Exchange
Windows Server 2016 hat noch 80 Tage. Exchange Server 2019 hat gar nichts mehr. Der erweiterte Support endete am 14. Oktober 2025 – vor über einem Jahr.
Wer heute noch Exchange 2019 im Haus betreibt, betreibt seit über zwölf Monaten einen Mailserver ohne Sicherheitsupdates. Und Mailserver sind keine beliebigen Systeme: Sie stehen per Definition mit der Außenwelt in Verbindung, sie verarbeiten Inhalte von Fremden, und sie halten die gesamte Korrespondenz des Hauses.
Dasselbe gilt für Office 2019 auf den Arbeitsplätzen, ebenfalls seit 14. Oktober 2025 ohne Updates.
Wenn Sie beim Lesen dieses Absatzes unsicher geworden sind, ob das auf Sie zutrifft: Das ist der häufigste Fall. Kaum jemand weiß auswendig, welche Exchange-Fassung im Keller läuft.
Und eine Zahl, die fast niemand kennt
Windows Server 2022 hat am 13. Oktober 2026 den Mainstream-Support verlassen – vor elf Tagen.
Das ist kein Grund zur Eile; der erweiterte Support läuft bis Oktober 2031. Es bedeutet aber: keine neuen Funktionen mehr, keine Änderungen auf Zuruf, nur noch Sicherheitskorrekturen. Wer jetzt von 2016 migriert und dabei auf 2022 zielt, landet auf einem Produkt, das seine erste Hälfte bereits hinter sich hat. Das ist der Grund, warum die Antwort in den meisten Fällen 2025 heißt und nicht 2022.
Was „kein Support mehr" tatsächlich auslöst
Der Server läuft weiter. Das ist das Tückische daran – es passiert am 13. Januar nichts Sichtbares.
Keine Sicherheitsupdates. Jede Lücke, die danach bekannt wird, bleibt offen. Für immer.
Software zieht nach. Hersteller von Fachanwendungen koppeln ihre Freigaben an unterstützte Betriebssysteme. Nach dem Stichtag heißt es im Supportfall: „Diese Umgebung wird nicht mehr unterstützt." Das trifft Sie nicht am Stichtag, sondern beim nächsten Problem.
Der Versicherer fragt. In den Fragebögen zur Cyberversicherung steht die Frage nach abgekündigten Systemen inzwischen regelmäßig. Eine falsche Angabe ist eine Obliegenheitsverletzung, eine richtige kann die Prämie oder den Schutz kosten.
Und die Prüfung fragt auch. Das BSI behandelt Patchmanagement im IT-Grundschutz als eigenen Baustein. Ein System ohne Herstellerunterstützung lässt sich darin nicht sauber abbilden – was bei NIS2-Betroffenheit, TISAX oder ISO 27001 spätestens im Audit auffällt.
Welche Branchen es zuerst trifft
Nicht, weil sie schlechter aufgestellt wären, sondern weil bei ihnen besonders viel an einem einzelnen Server hängt.
Kanzleien. Die Akte ist berufsrechtlich geschützt, und sie liegt meist auf genau einem Dateiserver, oft zusammen mit der Kanzleisoftware. Ein nicht mehr gepflegtes System, auf dem Mandantendaten liegen, ist nicht nur ein technisches Thema – es berührt die Verschwiegenheitspflicht. Dazu kommt, dass Kanzleisoftware ihre eigenen Freigabelisten hat; die Migration muss sich nach deren Takt richten, nicht umgekehrt.
Steuerberater. Hier kommt die GoBD hinzu: Unveränderbarkeit, Nachvollziehbarkeit, Verfahrensdokumentation. Wer den Server tauscht, verschiebt auch das Archiv – und muss das sauber dokumentieren, sonst entsteht beim nächsten Betriebsprüfer eine Lücke in der Beweiskette.
Arztpraxen und MVZ. Praxisverwaltungssysteme hängen an zertifizierten Umgebungen, dazu kommt die Telematikinfrastruktur. Hier ist nicht die Migration das Schwierige, sondern das Zeitfenster: Zwei Tage Ausfall bedeuten zwei Tage ohne Sprechstunde.
Produktion. Der unangenehmste Fall. Maschinensteuerungen und Prüfstände laufen oft gegen einen bestimmten Server, manchmal gegen eine bestimmte Betriebssystemfassung. Hier geht es nicht um ein Update, sondern um die Frage, ob die Anlage danach noch anläuft – und ob der Maschinenhersteller überhaupt noch existiert.
Handel und Logistik. Warenwirtschaft und Kassensysteme vertragen keinen Stillstand im Tagesgeschäft. Die Migration findet am Wochenende statt oder gar nicht.
Der Weg von 2016 auf 2025
In der Praxis ist nicht die Installation das Aufwendige, sondern alles davor.
Bestandsaufnahme. Welche Rollen laufen auf dem Server – Verzeichnisdienst, Dateidienste, Datenbank, Druckdienste, Fachanwendung? In gewachsenen Umgebungen sind es meist mehr, als die Dokumentation hergibt.
Die Anwendungsfrage. Für jede Fachanwendung: Gibt der Hersteller Windows Server 2025 frei, und ab welcher Programmfassung? Diese Antwort bestimmt den gesamten Plan. Fällt sie negativ aus, wird aus der Servermigration ein Anwendungsprojekt.
Die Lizenzfrage. Windows Server 2025 wird nach Kernen lizenziert, mit Mindestabnahmen je Prozessor und Server. Dazu Zugriffslizenzen für Benutzer oder Geräte. Wer von 2016 kommt, hat die Rechnung zuletzt vor zehn Jahren gemacht – sie sieht heute anders aus. Einen ersten Überblick gibt unser Lizenzrechner.
Der Umzug selbst. Nebeneinander statt darüber: Der neue Server wird aufgebaut, die Daten werden übernommen, geprüft wird mit echten Benutzern, und erst dann wird umgeschaltet. Der alte Server bleibt kalt stehen, bis klar ist, dass nichts fehlt – das ist die billigste Versicherung, die es in einem solchen Projekt gibt.
Der Rückweg. Vor dem Stichtag gehört festgelegt, woran man erkennt, dass es schiefgelaufen ist, und wie man zurückkommt. Ohne diesen Punkt wird aus einer Verzögerung eine Krise.
Für 2019 gilt derselbe Weg mit mehr Luft: Dort läuft der Support bis Januar 2029. Wer jetzt ohnehin anfasst, sollte beide Fälle in einem Zug planen, statt in zwei Jahren erneut zu beginnen.
Exchange: die Sonderlage
Hier reicht „neuer Server" nicht. Exchange 2019 ist abgekündigt, und ein Nachfolger im eigenen Haus ist nur noch in der Abonnementfassung vorgesehen. Praktisch stehen drei Wege offen:
Nach Exchange Online wechseln. Der häufigste Weg, mit laufenden Kosten statt einmaliger, und mit der Nebenwirkung, dass Postfächer das Haus verlassen – was bei Kanzleien und Praxen eine eigene Prüfung verlangt.
Im Haus bleiben, auf der aktuellen Abonnementfassung. Teurer im Betrieb, aber die Daten bleiben, wo sie sind.
Hybrid, als Übergang. Klingt nach Kompromiss, ist aber der betriebsaufwendigste der drei Wege und sollte ein Zwischenschritt bleiben, kein Dauerzustand.
Welcher Weg passt, entscheidet sich an der Frage, wer auf die Postfächer zugreifen darf – nicht an der Technik.
Rückwärts gerechnet: wann Sie anfangen müssen
Vom 12. Januar 2027 aus, für eine mittelgroße Umgebung:
| Bis wann | Was fertig sein sollte |
|---|---|
| Ende Oktober | Bestandsaufnahme: welche Rollen, welche Anwendungen, welche Abhängigkeiten |
| Mitte November | Freigaben der Anwendungshersteller eingeholt, Lizenzbedarf gerechnet |
| Ende November | Hardware oder Umgebung bestellt – Lieferzeiten liegen bei Servern weiter bei Wochen |
| Dezember | Aufbau, Datenübernahme, Prüfung mit echten Benutzern |
| Anfang Januar | Umschaltung an einem Wochenende, alter Server bleibt kalt stehen |
Wer erst im Dezember beginnt, hat keinen Puffer mehr für die eine Anwendung, die nicht mitspielt. Und es gibt immer eine.
Checkliste: erste Schritte
- Feststellen, welche Serverfassungen im Haus laufen – auch die vergessenen
- Exchange-Fassung prüfen: Läuft noch 2019, besteht seit Oktober 2025 kein Support
- Office-Fassung auf den Arbeitsplätzen prüfen, gleiches Datum
- Für jede Fachanwendung die Freigabe für Windows Server 2025 schriftlich einholen
- Lizenzbedarf nach Kernen rechnen, nicht nach Servern
- Einen Stichtag festlegen und rückwärts planen, nicht vorwärts hoffen
- Rückweg definieren, bevor umgeschaltet wird
- Den alten Server nach dem Umzug kalt stehen lassen, nicht sofort abbauen
Wie DAVINCI unterstützt
Wir nehmen Ihre Umgebung auf, holen die Freigaben der Anwendungshersteller ein und legen Ihnen einen Plan mit Stichtag, Aufwand und Rückweg vor – auch dann, wenn daraus ergibt, dass Sie vorerst bleiben können, wo Sie sind. Die Migration selbst führen wir am Wochenende durch, mit kalt stehendem Altsystem als Rückfallebene. Wie eine Übernahme bei uns abläuft, steht unter Kunde werden; was wir im laufenden Betrieb leisten, unter Managed Server. Den Lizenzbedarf können Sie mit dem Lizenzrechner selbst überschlagen. Erreichbar sind wir über die Kontaktseite.
Häufige Fragen
Was passiert am 13. Januar 2027 mit unserem Server?
Nichts Sichtbares. Er läuft weiter, Benutzer merken nichts. Es erscheinen nur keine Sicherheitsupdates mehr – das Risiko wächst ab diesem Tag jeden Monat, ohne dass es jemand bemerkt.
Können wir verlängern?
Für Windows Server gibt es kostenpflichtige erweiterte Sicherheitsupdates über die Cloud-Anbindung. Das ist eine Brücke für Monate, kein Plan für Jahre, und die Kosten steigen mit jedem Verlängerungsjahr. Als Überbrückung für eine Anwendung, die nachziehen muss, ist es vertretbar.
Lohnt der Sprung auf 2025 oder reicht 2022?
2022 hat den Mainstream-Support am 13. Oktober 2026 verlassen. Wer jetzt migriert, kauft sich damit ein Produkt in der zweiten Lebenshälfte. In den meisten Fällen ist 2025 die wirtschaftlichere Entscheidung – es sei denn, eine Fachanwendung gibt ausdrücklich nur 2022 frei.
Müssen wir in die Cloud?
Nein. Es gibt gute Gründe dafür und gute dagegen, und sie hängen an Ihrer Anwendungslandschaft, nicht an einer Grundsatzfrage. Ein Server im Haus oder im Rechenzentrum ist 2027 kein veraltetes Modell.
Wie lange dauert so eine Migration?
Für einen einzelnen Server mit Dateidiensten und Verzeichnisdienst in einer überschaubaren Umgebung rechnen wir mit wenigen Wochen von der Bestandsaufnahme bis zur Umschaltung. Den Takt bestimmt fast immer die Fachanwendung, nicht die Technik.
Wir sind eine Kanzlei. Gibt es Besonderheiten?
Ja. Die Verschwiegenheitspflicht verlangt eine saubere Betrachtung, wer während der Migration Zugriff hat, und die Kanzleisoftware gibt den Takt vor. Beides lässt sich planen – aber nicht in zwei Wochen.
Was, wenn der Hersteller unserer Fachanwendung nicht mehr existiert?
Dann wird aus der Migration eine Entscheidung über die Anwendung selbst. Das ist unangenehm, aber besser jetzt als nach einem Vorfall. Für solche Fälle gibt es den Weg über eine abgeschottete Umgebung – als Übergang, nicht als Lösung.
Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei Exchange, Windows 10 und Windows Server weiter.
Im Text erwähnt
Quellen
- Lebenszyklus Windows Server 2016 · Microsoft
- Lebenszyklus Windows Server 2019 · Microsoft
- Lebenszyklus Windows Server 2022 · Microsoft
- Lebenszyklus Exchange Server 2019 · Microsoft
- IT-Grundschutz-Baustein OPS.1.1.3 Patch- und Änderungsmanagement (Edition 2023) · BSIamtlich






