TYPO3-Installationen werden selten aus Begeisterung abgelöst. Der Anlass ist fast immer einer von dreien: Die Version bekommt keine Sicherheitsupdates mehr, die Agentur von damals gibt es nicht mehr, oder die jährliche Rechnung steht in keinem Verhältnis zu einer Website, die sich dreimal im Jahr ändert. Wer TYPO3 ablösen will, hat drei Wege – und sollte vorher wissen, welcher zu seiner Lage passt.
Warum TYPO3 anders liegt als WordPress
TYPO3 ist in deutschen Mittelstandsunternehmen und Verwaltungen verbreitet, und die Installationen sind typischerweise älter, größer und stärker angepasst als eine WordPress-Seite. Das hat Folgen für jeden Umstieg:
- Mehr Eigenbau. Vieles ist in TypoScript konfiguriert oder in eigenen Erweiterungen gelöst. Was nirgends dokumentiert ist, muss aus dem Bestand herausgelesen werden.
- Längere Sprünge. Zwischen der laufenden und der aktuellen Version liegen oft mehrere Hauptversionen. Das ist kein Update, das ist ein Projekt.
- Seltener eine aktive Betreuung. Viele Installationen laufen seit Jahren, ohne dass jemand zuständig wäre.
Und ein Punkt, den der 21. Oktober 2026 deutlich gemacht hat: TYPO3 läuft wie WordPress auf PHP. Die Lücke PHP2Shell traf beide gleichermaßen – sie saß nicht im CMS, sondern darunter. Wer glaubt, mit TYPO3 auf der sichereren Seite zu sein, täuscht sich in diesem Punkt.
Weg 1: Aktualisieren und weiterbetreiben
Der naheliegende Weg, wenn die Website aktiv genutzt wird und Funktionen hat, die über Inhalte hinausgehen.
Was dafür spricht: Redaktion und Abläufe bleiben, wie sie sind. Niemand muss umlernen. Angepasste Funktionen bleiben erhalten.
Was dagegen spricht: Der Sprung über mehrere Hauptversionen ist aufwendig, besonders bei eigenen Erweiterungen – die müssen angepasst oder ersetzt werden. Und danach beginnt die Pflege von vorn: Updates, Prüfung, Betreuung, dauerhaft.
Sinnvoll, wenn: die Website Funktionen zur Laufzeit braucht, mehrere Redakteure täglich arbeiten oder Schnittstellen zu anderen Systemen bestehen.
Weg 2: Auf ein anderes klassisches CMS wechseln
Also TYPO3 gegen WordPress oder ein vergleichbares System tauschen.
Was dafür spricht: Mehr Dienstleister am Markt, günstigere Betreuung, einfachere Redaktion.
Was dagegen spricht: Sie tauschen ein Programm gegen ein anderes und behalten Datenbank, Updates und Angriffsfläche. Das Grundproblem bleibt, es heißt nur anders.
Sinnvoll, wenn: die Abhängigkeit von spezialisierten TYPO3-Dienstleistern das eigentliche Problem ist – nicht die Technik.
Weg 3: Auf eine statische Website umstellen
Die Inhalte werden übernommen, die Seiten fertig erzeugt und als Dateien ausgeliefert. Gepflegt wird in einem Redaktionssystem, das nicht öffentlich erreichbar ist.
Was dafür spricht: Kein PHP, keine Datenbank, keine Updatepflicht. Bei einer Installation, die ohnehin niemand mehr betreut, verschwindet damit das Risiko statt verwaltet zu werden. Deutlich schneller, deutlich billiger im Betrieb.
Was dagegen spricht: Funktionen, die zur Laufzeit arbeiten, fallen weg – Login, Buchung, Shop. Gerade bei TYPO3-Installationen in Verbänden und Verwaltungen gibt es häufiger geschützte Bereiche, als man zunächst annimmt.
Sinnvoll, wenn: die Website im Kern aus Inhalten besteht und sich überschaubar oft ändert.
Die Fragen, die vorher zu klären sind
Unabhängig vom Weg – diese fünf Punkte entscheiden über den Aufwand.
Welche TYPO3-Version läuft, und bekommt sie noch Updates? Das ist die Grundlage. Eine Version ohne Sicherheitsupdates ist kein Zustand, der sich aussitzen lässt.
Welche eigenen Erweiterungen gibt es? Jede ist entweder zu portieren, zu ersetzen oder entfällt. Hier steckt bei TYPO3-Projekten der größte Teil des Aufwands.
Gibt es geschützte Bereiche? Mitgliederbereiche, Downloads nur für angemeldete Nutzer, Händlerzugänge. Häufig vergessen, weil sie nur von wenigen genutzt werden – und entscheidend für die Wahl des Wegs.
Welche Adressen bringen Zugriffe? Jede Umstellung ist ein Relaunch und riskiert Sichtbarkeit. Was dabei schiefgehen kann, steht in Website-Relaunch ohne Rankingverlust.
Wer pflegt künftig die Inhalte? Wenn seit Jahren niemand etwas geändert hat, ist das eine andere Antwort als bei einer Redaktion mit drei Leuten. Dazu: Headless CMS – wer pflegt die Inhalte.
Den Zustand selbst einschätzen
Bevor Sie jemanden beauftragen, lässt sich in einer halben Stunde ein belastbares Bild gewinnen – auch ohne TYPO3-Kenntnisse.
Wann wurde zuletzt etwas geändert? Sehen Sie sich die Seite an und suchen Sie nach dem jüngsten Datum: letzte Nachricht, aktuellste Stellenanzeige, jüngste Referenz. Liegt das Jahre zurück, pflegt niemand mehr etwas – und vermutlich aktualisiert auch niemand mehr.
Wie viele Seiten gibt es wirklich? Nicht schätzen. Die Sitemap unter `/sitemap.xml` zeigt es, und oft sind es deutlich mehr als gedacht, weil alte Bereiche nie abgeschaltet wurden.
Gibt es Bereiche, die nur bestimmte Leute sehen? Fragen Sie in der Verwaltung und im Vertrieb nach, nicht nur in der IT. Händlerzugänge und Downloadbereiche kennen oft nur die, die sie nutzen.
Wer hat Zugang zum Backend, und funktioniert er noch? Wenn niemand im Haus sich mehr anmelden kann, ist das ein eigener Befund – und der erste Punkt, den ein Dienstleister klären muss.
Auf wen läuft die Domain? Nicht auf die Agentur von 2015, sondern auf Ihr Unternehmen. Das ist unabhängig von jedem Umstieg die wichtigste Frage, und sie lässt sich über eine Whois-Abfrage in Minuten klären.
Mit diesen fünf Antworten bekommen Sie ein Angebot, das zur Lage passt – statt eines, das auf Annahmen beruht.
Was in der Zwischenzeit gilt
Solange die alte Installation läuft und erreichbar ist, bleibt sie angreifbar. Zwei Dinge sollten Sie unabhängig von der Entscheidung sofort tun:
PHP-Version prüfen und aktualisieren. Das betrifft den Unterbau, nicht TYPO3 selbst, und ist oft im Kundenbereich des Hosters erledigt. Siehe WordPress-Sicherheit nach PHP2Shell – für TYPO3 gilt es genauso.
Nicht mehr genutzte Bereiche vom Netz nehmen. Die alte Projektseite unter einer Subdomain, das Testsystem von 2021. Was niemand braucht, muss auch nicht erreichbar sein.
Checkliste: erste Schritte
- Laufende TYPO3-Version feststellen und prüfen, ob sie noch Updates bekommt
- Laufende PHP-Version feststellen und aktualisieren
- Alle eigenen Erweiterungen auflisten
- Geschützte Bereiche und Logins erfassen, auch selten genutzte
- Adressen mit Zugriffen der letzten zwölf Monate erheben
- Festlegen, wer die Inhalte künftig pflegt und wie oft
- Nicht mehr genutzte Installationen und Subdomains abschalten
- Erst danach den Weg wählen
Wie DAVINCI unterstützt
Wir sehen uns Ihre Installation an und sagen Ihnen schriftlich, welcher der drei Wege zu Ihrer Lage passt – einschließlich des Aufwands für eigene Erweiterungen und geschützte Bereiche. Führt der Weg zur statischen Fassung, läuft die Umstellung wie unter WordPress ablösen beschrieben; das Verfahren ist für TYPO3 dasselbe. Kontakt über die Kontaktseite.
Häufige Fragen
Unsere TYPO3-Version ist uralt. Wie dringend ist das?
Dringend, wenn sie keine Sicherheitsupdates mehr bekommt. Dann sind bekannte Lücken dauerhaft offen, und es ist eine Frage der Zeit. Als Sofortmaßnahme hilft, die Installation hinter eine vorgelagerte Absicherung zu stellen – das verschafft Zeit, löst aber nichts.
Können die Inhalte vollständig übernommen werden?
Texte, Bilder, Dateien und die Seitenstruktur in aller Regel ja. Aufwendig wird es bei Inhalten, die über eigene Erweiterungen erzeugt wurden – die liegen oft in eigenen Strukturen und müssen einzeln betrachtet werden.
Was passiert mit unseren Formularen?
Bei einer statischen Umstellung werden sie auf einen eigenen Dienst umgestellt; für Besucher bleibt die Bedienung gleich. Formulare mit mehreren Schritten oder Berechnung sind aufwendiger und gehören in die Vorprüfung.
Wir haben einen Mitgliederbereich. Geht die Umstellung trotzdem?
Nicht als Komplettumstellung. Möglich ist ein Mischbetrieb: der öffentliche Teil statisch, der geschützte Bereich weiter auf einem System, das zur Laufzeit arbeitet. Dann ist wenigstens der größere Teil der Website aus der Schusslinie.
Wie lange dauert so ein Projekt?
Das hängt an den eigenen Erweiterungen. Eine inhaltsgetriebene TYPO3-Seite ohne Sonderfunktionen ist schnell umgestellt. Eine Installation mit fünf gewachsenen Eigenentwicklungen ist ein Projekt von Wochen – die Vorprüfung sagt Ihnen, welcher Fall vorliegt.
Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei WordPress-Alternative, WordPress-Sicherheit und Headless CMS weiter.







