Der Server ist zwei Jahre alt, die Kanzleisoftware hängt, Programme brechen mit Zeitüberschreitungen ab. Häufig wird dann ein neuer Server gekauft – und zwei Jahre später ist alles wieder wie vorher. Die Ursache war in vielen Fällen, die wir übernommen haben, nicht der Server. Es war die Hitze.
Welche Temperatur sollte ein Serverraum haben?
Die eine ideale Temperatur gibt es nicht. Sie hängt davon ab, wie der Raum gebaut ist, wie groß er ist und wie die Kühlluft kommt – aus einem Doppelboden, von oben oder passiv, ohne gezielte Zuluft. Entscheidend ist deshalb nicht die Temperatur irgendwo im Raum, sondern die der Luft, die der Server ansaugt.
Für diese Ansaugluft gibt der Fachverband ASHRAE einen Richtwert an: 18 bis 27 °C empfohlen, für die meisten Geräteklassen gleich. Zulässig ist bei der verbreiteten Klasse A1 ein weiterer Bereich von 15 bis 32 °C – das ist aber die Grenze, die ein Gerät aushalten soll, kein Ziel für den Dauerbetrieb. Wer am Thermostat 22 °C sieht, weiß damit noch nicht, was der Server ansaugt. Hinter einem vollen Schrank oder vor einer zugestellten Front kann es deutlich wärmer sein.
Das BSI verlangt im IT-Grundschutz für Rechenzentren und Serverräume, dass Lufttemperatur und Luftfeuchte innerhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte liegen, dass beides so aufgezeichnet wird, dass sich Überschreitungen rückwirkend erkennen lassen, und dass die tatsächliche Wärmelast regelmäßig und nach größeren Umbauten überprüft wird.
Was ein Server tut, wenn er zu heiß wird: drosseln
Ein Server, der zu warm wird, schaltet sich nicht einfach ab. Er drosselt seine Leistung – ein Schutzmechanismus, damit er weiterläuft, statt abzustürzen. Prozessoren takten herunter, Lüfter drehen hoch. Im Englischen heißt das Thermal Throttling.
In den Steuerkanzleien, die wir übernommen haben, war das kein Ausnahmefall an einem heißen Tag, sondern Dauerzustand. Die Folge sah man nicht am Server, sondern am Arbeitsplatz: Abläufe antworteten nicht mehr in der Zeit, die die Software erwartet. Es kam zu Zeitüberschreitungen, dann zu Programmfehlern – und am Ende litt das ganze System.
Warum wird ein Server langsam, obwohl er neu ist?
Weil ein neuer Server anfangs Reserven hat. Er ist schneller als der alte, also fällt die Drosselung zunächst nicht auf. Die Langsamkeit scheint verschwunden. Doch die Bedingungen sind dieselben geblieben: derselbe warme Raum, dieselbe Luftführung, dieselben zugestellten Wege.
Warum ein neuer Server das Problem nur verschiebt
Nach unserer Erfahrung erreicht ein neuer Server unter denselben Bedingungen nach etwa zwei Jahren denselben Zustand wie sein Vorgänger. Mit der Zeit wächst die Last, Staub setzt sich in den Lüftern ab, die Reserven sind aufgebraucht – und die Drosselung wird wieder sichtbar. Häufig wird dann erneut getauscht. Das kostet viel Geld und verschiebt das Problem nur.
Was wirklich kühlt: Schrank, Luftführung, Verkabelung
Die wirksamsten Maßnahmen sind selten eine stärkere Klimaanlage, sondern Details am Schrank:
- Perforierte, luftdurchlässige Schranktüren sind praktisch immer besser als geschlossene Glas- oder Blechtüren.
- Bei passiver Klimatisierung brauchen Server und andere Geräte mindestens eine Höheneinheit Abstand zueinander – sonst heizen sie sich gegenseitig auf.
- Die Front wird immer verschlossen: Offene Höheneinheiten bekommen Blindplatten. Sonst saugen die Geräte ihre eigene warme Abluft an, es entstehen Verwirbelungen, und Kälte geht ungenutzt verloren.
- Kabel gehören in Kabelführungen, nicht vor Lüftungsöffnungen. Ordnung im Schrank ist Luftweg, keine Optik.
- Die Kühlung muss zur Wärmelast passen – und nach jedem größeren Umbau neu bewertet werden.
Der Abstand bei passiver Kühlung und die geschlossene Front widersprechen sich nicht: Der Abstand bleibt, davor sitzt eine Blindplatte. So bekommt jedes Gerät Luft, und die Luft nimmt den Weg, den sie nehmen soll.
Temperatur überwachen
Wer wissen will, ob sein Serverraum zu warm ist, misst an der richtigen Stelle: an der Ansaugseite der Geräte, nicht an der Decke. Die meisten Server melden ihre Temperaturen und eine Drosselung selbst – man muss die Werte nur auslesen. Eine Überwachung mit Alarm meldet sich, bevor es kritisch wird, und zeichnet auf, was war.
So sah das bei einer Kanzlei aus
In mehreren Steuerkanzleien haben wir genau dieses Muster gefunden: teils kein Serverschrank, ein sehr warmer Serverraum, Geräte, die ungeordnet herumstanden, und Server, die dauerhaft drosselten. Mit Serverschränken und ordnungsgemäß neu verlegter Verkabelung war das Temperaturproblem behoben. Das System lief deutlich besser und schneller – ohne neuen Server.
Was tun, wenn der Serverraum im Sommer zu warm wird?
Kurzfristig: Türen nicht offen stehen lassen in der Hoffnung, dass es kühler wird – das bringt warme Raumluft in den Schrank. Stattdessen offene Höheneinheiten schließen, Kabel aus den Luftwegen nehmen, die Ansaugtemperaturen prüfen. Langfristig: die Kühlung an die tatsächliche Wärmelast anpassen und so planen, dass sie auch an den heißesten Tagen reicht.
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Im Text erwähnt
Quellen
- ASHRAE: 2021 Thermal Guidelines for Air Cooling – Referenzkarte zu „Thermal Guidelines for Data Processing Environments“, 5. Auflage · ASHRAE
- IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein INF.2 „Rechenzentrum sowie Serverraum“ (Edition 2023) · Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnikamtlich




