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Das Journal des DAVINCI RechenzentrumsMittwoch, 30. September 2026127 Beiträge · 14 Ressorts

DAVINCI Journal

Rechenzentrum & Colocation

Eigener Serverraum oder Colocation? Eine ehrliche Gegenüberstellung

Der Serverraum im Haus wirkt günstig, weil viele seiner Kosten unsichtbar sind. Ein Vergleich, der Strom, Klima, Fläche und Verfügbarkeit einbezieht.

Leerer Rechenzentrumsraum mit Serverschränken
Symbolbild, künstlich erzeugtStand der Angaben: September 2026

Viele Unternehmen betreiben ihre Server in einem Raum, der ursprünglich ein Lager oder ein Büro war. Das funktioniert erstaunlich lange – bis zum ersten heißen Sommer, dem ersten Stromausfall oder dem ersten Wasserschaden im Stockwerk darüber. Der Vergleich mit einer Colocation im Rechenzentrum fällt dann oft unfair aus, weil die Kosten des eigenen Raums nirgends gesammelt ausgewiesen sind.

Die unsichtbaren Kosten des eigenen Raums

Der eigene Serverraum taucht in der Buchhaltung selten als eigene Kostenstelle auf. Seine Kosten verteilen sich auf Miete, Stromrechnung, Wartungsverträge der Haustechnik und die Arbeitszeit von Mitarbeitern, die sich nebenbei um ihn kümmern. Wer ehrlich vergleichen will, muss diese Posten zuerst zusammentragen.

  • Fläche, die anders genutzt werden könnte, samt anteiliger Miete und Nebenkosten.
  • Strom für Betrieb und Klimatisierung – häufig der größte Einzelposten.
  • Klimatechnik mit Wartung, Ersatzteilen und dem Risiko, dass ein einzelnes Gerät ausfällt.
  • Absicherung: unterbrechungsfreie Stromversorgung samt regelmäßigem Batterietausch, Brandschutz, Zutrittskontrolle und Überwachung von Temperatur und Feuchtigkeit.
  • Personalzeit für Überwachung, Rufbereitschaft und Einsätze vor Ort, auch nachts und am Wochenende.
  • Versicherung und bauliche Anpassungen, etwa wenn sich Brandschutzauflagen ändern oder die Last wächst.

Ein Rechenbeispiel für den Stromverbrauch

Wie stark die Klimatisierung ins Gewicht fällt, zeigt eine Überschlagsrechnung. Die folgenden Werte sind ausdrücklich Annahmen für ein Beispiel, keine Messwerte: Die Server ziehen dauerhaft 3 kW, und für Kühlung, Stromversorgung und Verluste kommen im improvisierten Serverraum weitere 80 % dieser Leistung hinzu. Das entspricht einem Wert von 1,8 bei der gebräuchlichen Effizienzkennzahl PUE, die den Gesamtverbrauch ins Verhältnis zum Verbrauch der IT setzt.

Über ein Jahr mit 8.760 Stunden verbrauchen die Server in diesem Beispiel 26.280 kWh, die Infrastruktur zusätzlich rund 21.000 kWh. Ein Rechenzentrum mit effizienter Kühlung benötigt für dieselbe IT-Last in der Regel deutlich weniger Zusatzenergie. Welche Werte bei Ihnen gelten, lässt sich mit einem Zwischenzähler für den Serverraum über einige Wochen ermitteln; multipliziert mit Ihrem Strompreis ergibt sich ein belastbarer Vergleichswert für jedes Angebot.

Was Colocation ändert – und was nicht

Bei Colocation stehen die eigenen Systeme in einem professionellen Rechenzentrum: mit redundanter Stromversorgung, Klimatisierung, Brandfrüherkennung, Zutrittskontrolle und mehrfacher Netzanbindung. Das Unternehmen behält die Hoheit über seine Hardware, gibt aber die Gebäudeverantwortung ab. Für viele Mittelständler ist das der Punkt, an dem Verfügbarkeit erstmals planbar wird.

Unverändert bleibt dagegen alles oberhalb des Gebäudes. Betriebssysteme, Updates, Datensicherung und der Austausch defekter Hardware liegen weiter beim Unternehmen oder seinem IT-Dienstleister. Die Server sind außerdem nicht mehr über den Flur erreichbar: Für Arbeiten vor Ort braucht es eine Anmeldung, und manche Handgriffe übernimmt auf Auftrag das Personal des Rechenzentrums. Klären Sie deshalb vorab, welche Leistungen dort vorgesehen sind, wie schnell sie erbracht werden und wer im Notfall Zutritt erhält.

Nicht zu unterschätzen ist die Anbindung der Arbeitsplätze. Liegen die Server außer Haus, wird die Leitung zwischen Büro und Rechenzentrum zur kritischen Verbindung des Unternehmens. Eine zweite, unabhängige Anbindung gehört deshalb in die ursprüngliche Kalkulation und nicht in die spätere Nachbesserung.

Bei der Auswahl eines Anbieters lohnt der Blick auf Punkte, die im Angebot oft nur am Rande stehen: die je Schrank verfügbare elektrische Leistung, die Frage, ob Strom pauschal oder nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet wird, die Erweiterbarkeit um weitere Höheneinheiten oder Schränke und die Regelungen zu Kündigung und Auszug. Ebenso gehören die Nachweise des Betreibers zur Informationssicherheit dazu, etwa ein ISO-27001-Zertifikat, dessen Geltungsbereich den konkreten Standort umfasst. Und schließlich die Entfernung: Wer im Störungsfall selbst anreisen muss, sollte die Fahrzeit realistisch einplanen.

Die dritte Stufe: keine eigene Hardware

Die weitergehende Variante ist der Verzicht auf eigene Hardware: gemietete Managed Server, bei denen auch Betrieb, Überwachung und Wartung ausgelagert sind. Hier entfallen Beschaffung, Ersatzteilhaltung und Hardwareerneuerung, dafür hängt das Unternehmen stärker von der Qualität und den Verträgen seines Dienstleisters ab. Welche Stufe passt, hängt weniger von der Unternehmensgröße ab als von der Frage, wie viel Betriebsverantwortung intern getragen werden soll und kann. Die folgenden Fragen helfen, die Entscheidung auf eine belastbare Grundlage zu stellen.

  • Wer reagiert heute nachts und am Wochenende, wenn im Serverraum ein Alarm auslöst – und ist diese Person vertreten?
  • Wie alt sind Klimagerät und unterbrechungsfreie Stromversorgung, und wann steht ihr Austausch an?
  • Stehen in den nächsten Jahren ohnehin Hardwareerneuerungen an, die einen Standortwechsel erleichtern würden?
  • Welche Anwendungen brauchen tatsächlich kurze Wege zu Maschinen oder Geräten im eigenen Haus?
  • Wie viele Personen im Unternehmen könnten den Betrieb der Server im Ernstfall übernehmen?

Nicht selten ergibt sich eine Mischform: Systeme mit enger Anbindung an die Produktion bleiben im Haus, der Rest zieht in ein Rechenzentrum. Entscheidend ist, dass die Aufteilung auf einer vollständigen Rechnung beruht und nicht auf dem Eindruck, der eigene Raum koste nichts, weil er schon da ist. Zu dieser Rechnung gehört auch die Frage, was ein mehrtägiger Ausfall der Server das Unternehmen kosten würde – denn gerade dieses Risiko verändert sich mit dem Standort.

Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei Rechenzentrum besichtigen, Serverraum und KI-Server weiter.

Quellen

  1. INF.2 Rechenzentrum sowie Serverraum · BSIamtlich
  2. Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen 2025 · Bitkom

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