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Das Journal des DAVINCI RechenzentrumsFreitag, 2. Oktober 2026155 Beiträge · 14 Ressorts

DAVINCI Journal

Arbeitsplatz & Modern Work

Terminalserver, Azure Virtual Desktop oder Windows 365: Welcher Fernarbeitsplatz zu welchem Haus passt

Drei Wege, die Arbeit vom Gerät zu lösen: der Terminalserver im Rechenzentrum, Microsofts gepoolte Mehrbenutzer-Umgebung Azure Virtual Desktop und der feste Cloud-PC Windows 365. Sie unterscheiden sich weniger in der Technik als in Lizenz, Datenstandort und darin, wer den Betrieb verantwortet. Eine Abwägung ohne Preise – weil die sich ändern – und mit den Fragen, die die Entscheidung tragen.

Arbeitsplatz mit Notebook, Monitor und Tischtelefon
Symbolbild, künstlich erzeugtStand der Angaben: Oktober 2026

Die Frage kommt in Erstgesprächen seit zwei Jahren in derselben Form: „Brauchen wir noch einen Terminalserver, oder nehmen wir Windows 365?“ Die Antwort beginnt mit einer Enttäuschung: Die drei Angebote tun dasselbe – sie lösen den Arbeitsplatz vom Gerät, die Anwendung läuft woanders, auf dem Bildschirm kommt nur das Bild an. Technisch ist das seit zwanzig Jahren gelöst. Was sich unterscheidet, sind vier andere Dinge: wie lizenziert wird, wo die Daten liegen, wer den Betrieb verantwortet und wie die Kosten mit der Nutzerzahl wachsen.

Dieser Beitrag sortiert die drei anhand von Microsofts eigener Dokumentation, geprüft am 2. Oktober 2026, und anhand dessen, was wir im Betrieb von Terminalservern sehen. Preise nennt er nicht – Microsoft ändert sie, Händler weichen ab, und eine veraltete Zahl wäre schlimmer als keine. Die Stückzahlen an Lizenzen rechnet der Lizenzrechner; den Betrag nennt das Angebot.

Der Terminalserver: Sitzungshost mit Remote Desktop Services

Ein Windows Server, auf dem viele Nutzer gleichzeitig angemeldet sind, jeder in seiner Sitzung. Die Form ist die sparsamste, weil ein Server mit 16 Kernen und ausreichend Arbeitsspeicher Dutzende Sitzungen trägt, und sie ist die bewährteste für das, was im Mittelstand läuft: Warenwirtschaft, Buchhaltung, Branchensoftware, Office. Die Lizenz ist zweiteilig – Windows Server je Kern, dazu eine RDS-Zugriffslizenz je Nutzer oder Gerät; bei Miete über SPLA ausschließlich je Nutzer und Monat.

Der Sitzungshost läuft dort, wo man ihn hinstellt: im eigenen Serverraum, im Rechenzentrum unseres Partners TERRA CLOUD in Hüllhorst oder, als Azure-VM, bei Microsoft. Daten, Sicherung, Updates, Überwachung verantwortet der, der ihn betreibt. Das ist Aufwand – und es ist der Grund, warum ein Terminalserver im Rechenzentrum mit Betrieb durch einen Dienstleister für viele Häuser die einfachste Lösung bleibt: Ein Ansprechpartner, eine Rechnung, ein Standort mit Zertifikat.

Azure Virtual Desktop: Microsofts gepoolter Mehrbenutzer-Desktop

Azure Virtual Desktop ist nach Microsofts Beschreibung ein Desktop- und App-Virtualisierungsdienst in Azure, mit einer Besonderheit, die es sonst nirgends gibt: Windows 11 Enterprise als Multisession, also ein Client-Windows, an dem viele Nutzer gleichzeitig arbeiten – exklusiv für Azure Virtual Desktop. Dazu Einzelsitzungen für persönliche Desktops, RemoteApp für einzelne Anwendungen und automatische Skalierung nach Tageszeit. Die Infrastrukturrollen – Gateway, Broker – betreibt Microsoft; Sie verwalten Image und virtuelle Maschinen.

Die Lizenz kommt aus Microsoft 365: Die Nutzer brauchen eine Windows-Berechtigung über Microsoft-365-Pläne, die Rechenzeit und der Speicher werden nach Azure-Verbrauch abgerechnet. Läuft der Sitzungshost auf Windows Server statt auf Windows 11 Multisession, braucht nach Microsoft Learn jeder Nutzer oder jedes Gerät zusätzlich eine RDS-CAL. Die Daten liegen in der Azure-Region, die Sie wählen – Deutschland ist möglich, der Betreiber bleibt Microsoft.

Azure Virtual Desktop passt, wenn Microsoft 365 mit Intune und Entra ID bereits das Fundament ist, wenn die Nutzerzahl stark schwankt und wenn im Haus oder beim Dienstleister Azure-Erfahrung vorhanden ist. Die Verbrauchsabrechnung ist Stärke und Risiko zugleich: Sie belohnt das Abschalten am Abend und bestraft das Vergessen.

Windows 365: ein fester Cloud-PC je Nutzer

Windows 365 ist das einfachste der drei: ein Cloud-PC je Nutzer, mit fester Größe und festem Monatspreis je Nutzer, verwaltet wie ein physischer PC über Intune. Kein Pool, keine Skalierung, kein Azure-Abonnement nötig, wenn der Cloud-PC in Microsofts eigenem Netz steht. Nach Microsoft Learn brauchen Nutzer für Windows 365 Enterprise neben der Windows-365-Lizenz Lizenzen für Windows E3, Intune und Microsoft Entra ID P1 – also eine Microsoft-365-Umgebung, die diese Bestandteile enthält.

Das ist die Stärke und die Grenze: Windows 365 ist ein PC in der Cloud, kein Mehrbenutzer-Server. Jeder Nutzer bekommt seine Maschine, auch wenn er sie zwei Stunden am Tag braucht. Für Häuser mit wenigen Anwendungen außerhalb von Office, mit vorhandenem Intune und mit dem Wunsch, Arbeitsplätze in Minuten auf- und abzubauen, ist das die richtige Form. Für eine Warenwirtschaft mit SQL-Datenbank und 40 Nutzern, die alle dieselbe Anwendung brauchen, ist es die teuerste.

Die vier Fragen

  • Welche Anwendungen laufen? Mehrbenutzer-fähige Branchensoftware und Datenbanken sprechen für den Sitzungshost. Anwendungen, die eine eigene Maschine verlangen, für VDI oder Cloud-PC. Reines Office für Windows 365.
  • Was ist schon da? Microsoft 365 mit Intune und Entra ID P1 im Haus macht Windows 365 und Azure Virtual Desktop zu naheliegenden Kandidaten. Ohne diese Grundlage ist der Terminalserver im Rechenzentrum der kürzere Weg.
  • Wo sollen die Daten liegen, und wer soll antworten? Ein benanntes Rechenzentrum mit Zertifikat und ein Betreiber am Telefon ist etwas anderes als eine Azure-Region mit einem Portal. Beides ist legitim; die Nachweismappe braucht in beiden Fällen den Dienstleisternachweis.
  • Wie wachsen die Kosten mit den Nutzern? Sitzungshost: je Nutzer eine RDS-Lizenz, die Maschine wächst in Stufen. Windows 365: je Nutzer ein voller Cloud-PC. Azure Virtual Desktop: nach Verbrauch – günstig bei Disziplin, teuer ohne.

Und oft: beides

Die meisten Häuser, die wir betreuen, enden bei einer Mischung: Mail, Teams und Office über Microsoft 365 auf dem Gerät des Mitarbeiters; die Warenwirtschaft mit ihrer Datenbank auf einem Sitzungshost im Rechenzentrum unseres Partners, erreichbar über den Remote-Desktop-Client oder als veröffentlichte Anwendung. Das Gerät bleibt leicht, die Daten bleiben im Rechenzentrum, und die Lizenzrechnung hat zwei Zeilen statt einer unübersichtlichen. Welche Mischung zu Ihrem Haus passt, steht nach einer Stunde Gespräch fest – die vier Fragen davor beantworten Sie selbst.

Verwandte Themen: Wer hier weiterdenkt, liest bei RDS- und Windows-Server-Lizenzen, Arbeitsplatz-Standardisierung und Windows 10 weiter.

Quellen

  1. Was ist Azure Virtual Desktop? – Multisession Windows 11 Enterprise, gepoolte Sitzungshosts, Azure-Verbrauch · Microsoft Learn
  2. Windows 365 – Anforderungen (Lizenzen: Windows E3, Intune, Microsoft Entra ID P1, Windows 365) · Microsoft Learn
  3. Remotedesktopdienste mit Clientzugriffslizenzen (CALs) lizenzieren – je Benutzer/Gerät, 120-Tage-Kulanzfrist, Versionskompatibilität · Microsoft Learn
  4. TERRA CLOUD 2026/2027 – Katalog (Rechenzentrum, Service-Level, Backup, IaaS, Housing, S3, SPLA, CSP) · WORTMANN AG / TERRA CLOUD GmbH, Hüllhorst (Art.-Nr. 9999928)

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